Paketfreude

Heute war es endlich soweit! Nichtsahnend marschierte ich gerade durchs Bad, als es an der Tür klingelte. Inzwischen war meine Hochzeitswäsche-Panik ein wenig abgeklungen, so wusste ich im ersten Moment auch gar nicht, wer das sein könnte. Neugierig öffnete ich die Haustür und vor mir stand ein etwas in die Jahre gekommener Herr mit einem nicht unscheinbaren Paket in der Hand. Ich strahlte. Endlich war es da, gerade noch rechtzeitig. Schnell wurden die Förmlichkeiten abgehandelt, ich hatte es schließlich eilig, die guten Stücke anzuprobieren.

Der Karton musste sich durch meine stürmische Auspack-Aktion von seinem schieren Aussehen verabschieden. Ich riss an den nervigen Klebebändern, um an den wertvollen Inhalt zu gelangen. Im Inneren angelangt, begrüßten mich auch schon die feinen Stoffe in zartem Champagner und verführerischem Elfenbein.

Ich hatte Glück, mein Lieblingsstück – eine Corsage mit filigraner Spitze – saß, wie angegossen. Mit dem passenden Strumpfband fühlte ich mich fast schon als Braut, jedoch fehlte in diesem Ensemble noch das Wichtigste – mein Kleid! An der vollständigen Kombination erfreue ich mich allerdings erst, wenn es wirklich soweit ist.

 
Beispielallerlei
Ich konnte mich nicht entscheiden. Also habe ich mir bei enamora gleich ein paar verschiedene Varianten bestellt. Corsagen, BHs und natürlich das obligatorische Strumpfband sind (hoffentlich) mit dabei. 
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
Hochzeitswäsche

Nichts ist schlimmer als Ungeduld. Dieses stichelnde Gefühl ist der natürliche Feind innerer Ruhe und tiefer Konzentration. Sie breitet sich aus wie ein Lauffeuer und verwandelt den Körper in einen unausstehlichen Ort nervösen Daseins. Sie schürt die Erwartungen und Hoffnungen, und sorgt an gleicher Stelle für doppelt so großen Frust bei Nichterfüllung.

 So sitze ich sprichwörtlich auf Kohlen. Warum? Weil ich Post erwarte. Gerade bei dringenden Sendungen scheint sich der Brieflieferant unmenschlich viel Zeit zu lassen oder übergeht meinen Briefkasten einfach. Ich werde schikaniert: Von der Post, von meiner Ungeduld und von meinem Briefkasten, dessen Tür leise ächzt, wenn ich sie öffne. Es klingt wie ein fieses Lachen, das meine Vorfreude auf Post je zerstört.

Vor einer Woche genau bestellte ich bei einem Onlineshop Unterwäsche. Nicht irgendeine Unterwäsche, sondern MEINE Hochzeits-Dessous. Kein Wunder, dass ich beinahe ausflippe vor Aufregung. Ich hatte an alles Gedacht: Kuchen, Deko, DJ, Blumen, Kleid, Räumlichkeiten… die Liste meiner Planung ist endlos. Jedoch fehlte eine alles entscheidende Position. Die Lingerie für die Hochzeitsnacht ist einfach zwischen Platzkärtchen und Tanzkurs untergegangen. Zwei Wochen vor dem großen Tag, an dem eigentlich alles schon hätte fertig sein müssen, kam mir nun dieser nicht unerhebliche Gedanke. Außer mir vor Panik schmiss ich den PC an, um nach der passenden Wäsche zu recherchieren. Geschlagene zweieinhalb Stunden später fand ich das Richtige. Seitdem hocke ich vor dem Türspion, wie eine Wahnsinnige, stets mit der leisen Hoffnung, der gnädige Herr Bote möge mir meine Post überreichen. Schließlich kann das zeitlich mehr als knappe Vorhaben nicht nur am bloßen Paketerhalt scheitern, die edlen Stücke müssen ja auch noch passen!




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